Leidenschaft und Leadership

In der Vergangenheit haben wir Werte der Arbeitswelt besprochen, die der Leidenschaft ähnlich sind:  Eifer, Interesse und Inspiration beispielsweise. Leidenschaft ist Emotion pur. Muss sie daher im Management außen vor bleiben? Ein Beispiel dazu:

Michael hat eine Herkulesaufgabe vor sich. Er hat eben die Geschäftsführung eines mittelständischen Produktionsbetriebs übernommen und sich ein Bild von der Lage gemacht. Auf´s Erste kann er nur ein einziges Positivum erkennen: die unmittelbare Gefahr einer Insolvenz wurde aufgrund einer finanziellen Restrukturierung gebannt. Den Hausbanken sei Dank. Oder vielmehr gebührt der Dank seinem Vorgänger Herbert, einem erfahrenen Interimsmanager, der das Schlimmste abwenden konnte.

Was unterscheidet die beiden? Herbert ist ein erfahrener CFO, der diesen Job nicht zum ersten Mal gemacht hat. Ein „Zahlen-Daten-Fakten-Typ“, ein „Macher“, ein „Direktsprecher“. Jemand, der auch dreinhauen kann, wenn´s sein muss. Ein Mann für´s Grobe, der unpopuläre Maßnahmen durchsetzen kann. Ist er ein Kommunikator, ein Menschenfreund, ein Manager für den Normalbetrieb? Wohl kaum. Sobald das Ärgste durchgestanden war, verließ er im Einvernehmen mit dem Eigentümer das Unternehmen und wurde durch Michael ersetzt.

Herbert kann Zahlen, Michael kann Menschen.

Mehrfach hat Michael sein Geschick als Change-Manager unter Beweis gestellt. Er mag Menschen und kann Menschen mitreißen. Er empfindet Leidenschaft für seinen Job und kann diese Leidenschaft auch in seinen MitarbeiterInnen wecken. Seine Leidenschaft ist der Motor, der ihn antreibt. Sie ist eine wichtige Ingredienz für sein Charisma. Um die Organisation neu zu strukturieren und die restrukturierungsgeplagten MitarbeiterInnen für moderne Arbeitsweisen zu begeistern, ist er genau der Richtige. Er ist ein Virtuose am Klavier der Emotionen und weiß, wie er seine Unternehmensvision verkauft.

Herbert, der knochentrockene Restrukturierer, hält es wohl mit Helmut Schmidt: "Keine Begeisterung sollte größer sein als die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft.", soll der einmal gesagt haben.

Michael hingegen arbeitet nach dem Motto: "Durch die Leidenschaften lebt der Mensch, durch die Vernunft existiert er bloß " (Nicolas Chamfort).

Du merkst schon: Vernunft und Leidenschaft haben ihre Berechtigung im Management, nur halt zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Wenn du mehr über die Zusammenhänge zwischen #Emotionen, #Werten und #Kompetenzen in der Arbeitswelt wissen willst, kannst du dich schon mal auf meine #Werte-Studie zu dem Thema freuen. Sie erscheint in einigen Monaten.

PS: die Leidenschaft ist ein Antriebsmotor, der auch leicht überdrehen kann. Lass´ dich von deiner Leidenschaft nie dazu verleiten, Ziele anzusteuern, die du nicht erreichen kannst. Leidenschaft ist eine Gratwanderung zum Burnout.

mod_eprivacy